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Die Bedeutung der Stimme im Training und beim Coaching

von Joachim Beyer

Heidelberg, Juli 2008 - Trainer, Berater und Coaches reden - mehr oder weniger - den ganzen Tag. In ihren meist sehr vielseitigen Ausbildungen haben sie gelernt, Trainings zu gestalten, Vorträge rhetorisch gut aufzubereiten und auch vorzutragen, etc. Wenn es allerdings darum geht, die Stimme und das Sprechen geht, herrscht bei vielen Kollegen eine gewisse Unsicherheit. Dieses sehr spezielle Thema wird meistens nicht oder nur am Rande einer Trainer- oder Coachausbildung behandelt. In diesem und folgenden Artikeln möchte ich die Bedeutung der Stimme und auch die Verbindung zur Persönlichkeit beleuchten und Anregungen für den Umgang mit der eigenen Stimme geben.

Stimmhygienische Maßnahmen sind eine gute Unterstützung, sich gerade als Trainer & Coach "fit" zu halten. Manche der Tipps werden Ihnen vielleicht etwas banal vorkommen, aber hoffentlich dennoch einleuchten. In der Durchführung sind diese Vorschläge ohne großen Aufwand realisierbar. Der Erfolg ist dabei allerdings abhängig von der konsequenten Umsetzung.

Husten statt Räuspern

Räuspern ist für den Kehlkopf eine extrem starke (Über-) Beanspruchung durch zu hohe Spannung im Bereich der Sprechmuskeln. Außerdem kommt es zu einer unangemessen Schleimhautreizung.

TIPP: Alles, was "weg muss", geht durch leichtes Abhusten, Trinken, Summen (verschiedene Tonhöhen bei gleichzeitiger Kopfdrehung) oder Spucke schlucken weg. Was darüber hinaus an Missempfindungen, Anspannungsgefühlen nicht verschwindet, hat meist andere Ursachen. Dies kann an inneren An-, Verspannungen und auch zu geringer Grundspannung oder Unsicherheit liegen.

Viel über den Tag verteilt trinken Wenn Sie 2-3 Liter über den Tag verteilt trinken, tun Sie sich einen doppelt guten Dienst:
  • Optimierung Ihres Flüssigkeitshaushaltes UND gute Stimmpflege.
  • Mund- und Rachen-Schleimhaut bleibt feucht und somit auch elastisch.
  • Die Atemluft sättigt sich mit Feuchtigkeit, bevor sie an den Stimmlippen vorbeizieht und Feuchtigkeit entziehen kann.
Kaffee und Alkohol sind (leider) nicht geeignet.

FOLGE: Meiden Sie möglichst Kaffee oder auch zuckerhaltige Getränke vor längeren Sprechsituationen. Wenn Kaffee unbedingt sein muss: möglichst mit einem Glas Wasser kombinieren.

Eine weitere Hilfe gerade bei trockener Luft in der Heizperiode oder durch Klimaanlagen, bieten - neben ausreichender Belüftung und Befeuchtung der Räume - spezielle Bonbons, (z.B. Salbei, Halspastillen ohne Zucker oder auch Salzpastillen).

Rauchen ist aus stimmhygienischer Sicht insofern problematisch, als dadurch sowohl der Hals ausgetrocknet, als auch die Schleimhäute zusätzlich belastet werden.

Angestrengtes Sprechen gegen / bei Störlärm vermeiden

"Party-Effekt": Der Lärmpegel in Gesellschaft steigt mit fortschreitender Uhrzeit - trotz gleich bleibender Menschenmenge - so stark an, dass man oft kaum noch sein eigenes Wort verstehen kann. Es ist dabei nahezu nicht möglich, sich angemessen dauerhaft zu unterhalten.

Übliche Kompensationen: Anspannung, zu lautes, angestrengtes Sprechen sowie sprechen mit zu hoher Sprechstimmlage. Das ist aber nicht gut für Ihre Stimme!

Was können Sie tun? Beugen Sie vor, indem Sie sich für längere und wichtige Gespräche von vornherein die richtigen Rahmenbedingungen schaffen: ruhig gelegener Raum, Störlärm soweit als möglich ausschalten (evtl. Fenster schließen, Lüftungspausen) und angemessenen Abstand zum Gesprächspartner schaffen. Außerdem sollten Sie nicht gegen eine unruhige Zuhörergruppe anreden (längere Sprechpause, Blickkontakt herstellen oder über andere Signale (Tür schließen o.ä) deutlich machen, dass der Vortrag, das Seminar beginnt).

Heiserkeit

Bei Heiserkeit nicht flüstern und auch nicht mit Kraft dagegen angehen, sondern wenn irgend möglich Stimmruhe einhalten. Heiserkeit ist Zeichen einer Überanstrengung und Schädigung, sei es durch funktionelle Schädigung oder auch durch Erkältung (Viren, Bakterien).

Flüstern ist dagegen ein sehr anstrengender Sprechablauf mit übermäßig viel Muskelanspannung gerade im Kehlkopf. Beim Flüstern wird einerseits versucht, ohne Stimme zu sprechen (also den gewohnten Stimmgebungsablauf zu hemmen), andererseits aber soll der normale Sprech- und Sprachablauf beibehalten werden.

FOLGE: starke Muskelanspannung der Stimmlippen, die sich stark zusammen pressen bis auf das letzte Drittel (Flüsterdreieck).

Tipps bei Heiserkeit:
  • Gönnen Sie sich und Ihrer angeschlagenen Stimme die nötige Ruhe zur Erholung und "muten" Sie sich eine längere Sprechpause zu.
  • Inhalationen und ausreichend Flüssigkeit sind in dieser Zeit ganz besonders hilfreich und wichtig.
  • Bei mehr als 1-2-wöchiger Heiserkeit sollten Sie unbedingt einen Arzt (HNO oder Phoniater) aufsuchen.

Bemühen Sie sich um eine aufrechte Körperhaltung beim Sprechen

Es geht um eine gute "Mittelspannung", also weder zu schlaff noch zu angespannt. Je nach Typ wissen Sie bereits, zu welcher Tendenz Sie eher neigen. Eine aufrechte Körperhaltung trägt zu einem optimalen Stimmklang bei. Der Kehlkopf sollte frei im Hals "aufgehängt" sein, ohne Druck von der Halswirbelsäule (durch vorgestreckten Hals und Kopf im Nacken), aber auch nicht "eingequetscht" durch eine eher zu starre, aufgerichtete (zu)gerade Haltung, so dass das nach unten gedrückte Kinn den Kehlkopf einengt. Achten Sie einmal bei Vorträgen, Gesprächen und weiteren Gelegenheiten auf die Körperhaltung der Gesprächspartner.

Spezieller Hinweis zum Telefonieren: Oft wird dabei der Hörer zwischen Schulter und Ohr "eingeklemmt", um beide Hände frei zu haben. Leicht vorstellbar, dass so keine optimale Haltung für eine frei schwingende Stimme entstehen kann. Der Stimmklang verschlechtert sich bereits nach kurzer Zeit!

Vor Sprechbeginn (etwas) ausatmen

So paradox es klingt: Vor dem Sprechen (bei dem man ja Luft braucht) erst einmal etwas ausatmen. Warum das? Wenn ich vor dem Sprechen einatme, erhöhe ich zunächst nur den internen Druck und diesen müssen die Stimmlippen aushalten: So können diese dann nicht mehr frei schwingen. Wenn Sie dagegen erst ein wenig ausatmen und dann mit Sprechen beginnen, können die Stimmlippen viel leichter, harmonischer und lockerer in die nun leichter strömende Luft "einschwingen". Die direkt hörbare Folge: ein freier und klarer Stimmklang.

Joachim G. Beyer,  Lehrlogopäde Joachim G. Beyer, Jg. 1961,

Logopäde, Lehrlogopäde und
langjähriger Leiter einer Schule für Logopädie.

Praxiserfahrung im Themenfeld "Stimme,
Sprechen, Sprache, Persönlichkeit und Ausdruck"
seit mehr als 20 Jahren.

Selbstständig seit 2005.




Quelle: Trainer-Kontakt-Brief 7/08 - Nr. 63


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